Vorwort
Jugend 2007 - zwischen Versorgungsparadies und Zukunftsängsten – der Titel der vorliegenden Jugendstudie erscheint vielleicht im ersten Augenblick befremdlich. Er ist jedoch programmatisch zu verstehen. Denn er spiegelt und verdichtet die mentale Situation der heutigen Teenager. Das einst so himmlische und tolerante Versorgungsparadies Deutschland ist für die Jugendlichen brüchig geworden. Und diese Bruchstellen eröffnen einen ganz anderen und bedrohlichen Blick auf die gesellschaftliche Realität.
Der Alltag der Jugendlichen ist zunehmend geprägt durch Gefühle der Ohnmacht und des Alleinseins, der Sinnleere und Perspektivlosigkeit. Mobbing, Gewalt und die Angst vor dem Abgleiten in ein ‚Hartz IV-Schicksal‘ steigern das Gefühl der Verunsicherung und Orientierungslosigkeit. Selbst die Jugendlichen, die sich noch materiell bgesichert fühlen, erleben die Zukunft als ein schwarzes Loch. Sie wissen nicht, wofür sie gebraucht werden, wofür sie kämpfen und wogegen sie rebellieren können. Die Lebens- und Bewältigungsstrategien, mit denen sie damit fertig werden, schwanken zwischen verzweifelten Versuchen, in die künstlichen Paradiese des Internets, der PlayStation-Welten oder des Konsumkomas auszuweichen und dem beständigen Kampf - alleine oder in der Gang -, die verspürten Bedrohungen abzuwehren.
Die Befunde sind alarmierend. Daher macht es auch keinen Sinn, die Situation zu beschönigen und eine werbliche Hurra-Jugend-Studie zu verfassen. Die Zeiten des ungebrochenen Jugendkults und der freudig bewegten Loveparade sind vorbei. Auch die Jugendlichen fordern von den Erwachsenen und den Medien Klartext – schonungslose Aufklärung und eindeutige Positionen. In diesem Sinne soll die Studie im doppelten Sinne aufstören: Sie soll den Blick schärfen für die seelische Lage deutscher Teenager und dadurch eine sensible Verstehensbasis für ihre Lebenshaltung eröffnen. Sie soll aber auch die Rolle der Erwachsenen im Generationenkonflikt widerspiegeln und zu neuen Umgangsformen mit Jugendlichen ermutigen.
Klartext erzeugt Widerspruch und Widerstand. Aber dieser Widerstand ist fruchtbar. Er durchbricht die gesellschaftliche Schweigemauer und das Stillhalteabkommen zwischen den Generationen. Klartext hilft bei der Entwicklung eigener (Gegen-)Positionen. Er entfacht einen produktiven Generationskonflikt und damit eine Auseinandersetzung über den Sinn unserer Zukunft. Er entfacht ein Meinungs- und Gestaltungsklima, in das Jugendliche ihre einzigartige soziale Meisterschaft und ihre Komplexitäts-Virtuosität einbringen können.